Im Rahmen der Kulturhaupstadt RUHR2010 wird Christof Schläger das Projekt SCHWINGUNGEN präsentieren. Das multimediale Konzert wird 1. Oktober 2010 an der Cranger Schleuse uraufgeführt. Einzelne Phasen des Projektes können in einem kurzen "Videobericht" verfolgt werden. Sehen Sie den vierten Teil.

Video 4: Von Pfeifen, Branen und Obertönen

(Quelle: Harald Opel, 7min28sec)

Ein Werkstattgespräch mit Christof Schläger
Langsam heißt es "Ärmel hochkrempeln und Kisten packen" in der Maschinenhalle im Schatten des Förderturms der ehemaligen Zeche Teutoburgia in Herne - dem Atelier des Klangkünstlers Christof Schläger. Die vergangenen Wochen seit der Generalprobe für das "Schwingungen"-Konzert standen im Zeichen wichtiger Detailarbeiten: Die Kompositionen mussten ausgefeilt und an die Location und ihren typischen Raumklang angepasst, der Instrumentenpark auf den neuesten Stand gebracht werden. Obwohl: Sind das überhaupt Instrumente? Oder doch Skulpturen?

"Vielleicht beides", sagt Christof Schläger. Er hält es bewusst in der Schwebe, aber wer erlebt, wie viel Zeit der Künstler in Konzeption und Bau seiner Klangerzeuger steckt, ahnt schnell: Hier überlässt einer wenig dem Zufall - von der ersten Idee bis zum fertigen Objekt können daher durchaus Jahre vergehen. Schlägers Branen etwa: Instrumente, die entfernt an flache Trommeln erinnern, aber ganz anders funktionieren - und erst recht anders klingen, nämlich wie eine Mischung aus Schiffshorn und Posaune. Die Idee dafür hatte Schläger schon lange: Pressluft in einen Metallring pusten, der von einer Kunststoff-Folie überspannt wird - bis die Plaste-Membran ins Schwingen gerät; für die richtige Tonhöhe sorgt ein beweglicher Resonanzring aus Pappe.

Die Ringe waren auch schnell konstruiert - hier kommt Schläger seine Schlosserlehre auf der Zeche General Blumenthal zugute. Das Problem: Die richtige Folie. "Die ersten, die ich probiert habe, gaben einen viel zu laschen Klang. Also habe ich das Projekt liegen gelassen, bis mich ein Freund irgendwann auf das ideale Material aufmerksam gemacht hat" - eine Folie, die normalerweise in Druckereien verwendet wird.

Anderes Beispiel: Ein Ensemble aus druckluftgetriebenen Pfeifen (M-Pipes), die der Künstler aus Regenrinnen gefertigt hat. Die Rohre kann man in jedem Baumarkt kaufen; aber auch hier steckt der Teufel im Detail: "Man muss zum Beispiel sehr genau darauf achten, in welchem Winkel die Luft eingeblasen wird, sonst bildet sich kein Ton aus", sagt Schläger. Den idealen Ansatzpunkt ermittelt der Künstler wie bei der Detailkonstruktion seiner Branen in langen Versuchen - im engen Dialog mit dem Material.

Das ist auch der Grund, aus dem er sich keine Instrumente von der Stange kauft, sondern lieber über Wochen in seiner Werkstatt verschwindet, mit Schweißgerät und Drehbank hantiert und mit Small-Talk etwa über schwingende Luftsäulen oder der richtigen Membran-Vorspannung ganze Abende füllen könnte: "Ich möchte mich bewusst den Beschränkungen aussetzen, die das Material mir auferlegt. Herausfinden, welches Eigenleben die Instrumente führen und wie ich das musikalisch nutzen kann. Dadurch erfährt man letztlich auch eine Menge über sich selbst. Und lernt sogar, besser mit der eigenen Endlichkeit umzugehen. Denn auch wir Menschen sind Materie und damit auch ihren Gesetzen unterworfen." Wer singt, bringt letztlich auch nur eine Luftsäule zum Schwingen - ähnlich wie Schlägers Regenrinnen-Pfeifen. Darum hat die Suche nach dem richtigen Ton aus dem Regenrohr durchaus eine Menge mit Singen lernen zu tun.

Vielleicht macht gerade dieser Ansatz, die Suche nach dem Menschlichen im Material, Schlägers Instrumente tatsächlich zu Skulpturen - obwohl man ihnen immer auch ansieht, dass hinter ihrer Konstruktion weit mehr als ein rein technischer Gestaltungswille steht. Machen Sie sich ein eigenes Bild: Zum Beispiel am Rhein-Herne-Kanal. Wer mag, kann sich Schlägers Branen und die Regenrinnen-Pfeifen (M-Pipes) am 1. Oktober live anhören: Sie sind die jüngsten Neuzugänge in Schlägers Orchester, das inzwischen fast 30 verschiedene Instrumente - oder Klangskulpturen - umfasst. Die Kisten stehen schon bereit.


Weitere Videoberichte
:
- videobericht 3: Drucklufthörner nach Fahrplan
- videobericht 2: Betonpumpen, Probe am Kanal
- videobericht 1: Schiffshörner, Erster Klangtest

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Folgende interessante Artikel zum Projekt Schwingungen sind bereits erschienen:
- [PDF] Der große Auftritt der Schiffshörner
- [PDF] Die Magie der Industriekultur
- [PDF] Dialog der Schiffshörner
- [PDF] Die Posaunen von Herne

 


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Christof Schläger


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Vorausgegangene Videoberichte:
-Videobericht #3
-Videobericht #2
-Videobericht #1

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-Schwingungen

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Künstler
Vier Artikel über die Arbeit und das Werk des Künstlers Christof Schläger
- Biographie
- Electric Motion trifft solar plexus
- Zwischen den harmonischen Tönen
- Im Gespräche mit Jacek Barski

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