Diese Frage hat Robert Höldrich auf eigene Art gestellt: "Wo gibt es kein Rauschen? Strenggenommen nirgends. Das thermische Rauschen ist immer vorhanden, außer im nicht erreichbaren absoluten Nullpunkt. Jede Beobachtung und Messung ist durch zufällige Störungen beeinträchtigt, mögen sie auch noch so klein sein. Auch im deterministischen System des Computer entstehen bei Berechungen mit irrationalen Zahlen notwendige Rundungsfehler, deren genaue Größe nicht bestimmt werden kann, die also zufälliges Rauschen sind.

Selbst das Nichts, das absolute Vakuum, ist den Wahrscheinlichkeitsgesetzen der quantenmechanischen Unschärfe unterworfen. Also wiederum Rauschen. Noch einmal anders gefragt: Wo herrscht Stille? Auch nirgends. Jeder Raum besitzt auch bei "völliger Stille" ein meist deutlich hörbares Grundrauschen. Selbst im schalltoten Raum würden wir nicht nichts, sondern das Rauschen hören, das durch die turbulente Strömung des Bluts in unseren Ohren hervorgerufen wird".* Rauschen gillt zunächts als akustisches und physikalisches Phänomen. Darüber hinaus wirft es informationstheoretische, soziologische, philosophische und ästhetische Fragen auf. Es bezeichnet Undefiniertes, Unklares. Nicht-Systemmatisiertes und Nicht-Systematisierbares. Es bedeutet das Fehlen von eindeutiger Information. Datenübertragung und Fehlerkorrektur zum Beispiel, beim Militär, im Internet oder beim heimischen CD-Player, basieren auf der Unterscheidung zwischen Rauschen und Informationsträchtigem Signal. Lärmschutzbestrebungen, akustische Ökologie und Sounddesign müssen Kriterien zu Beschreibung und Bewertung von rauschhaftem Lärm ermitteln, und bei Musik betrifft die Auseinandersetzung mit dem Rauschen das musikalische Material. Rauschen ist dort nicht nur das, was man physikalisch darunter fasst, sondern auch als Krach oder Störgeräusch Definiertes, Klänge zwischen den Tönen, die auf Notenpapier festgehalten werden können.

 

Bild: schellenbaum

 

weitere Kapitel:
(1) Maschinenhalle Teutoburgia
(2) Erste Klangmaschine
(3) Neue Quellen und Ohrhorizonte
(4) Klangwelt der Maschinen
(5) Instrumentenbau ist stets Kulturarbeit
(6) Die besseren Maschinen
(7) Eigenständige Klangsphäre
(8) Zwischen den harmonischen Tönen
(10) Anarchischer Klangraum
(11) Globale Village
(12) Geräusch-Gestalten
(13) Klangorganisation

 

   

Beschreibung der Instrumentenbau
Tiefergehende Beschreibung der künstlerischen Arbeitsweise, vom Instrumentenbau bis zur Komposition

-1 Maschinenhalle Teutoburgia
-2 Erste Klangmaschine
-3 Neue Quellen und Ohrhorizonte
-4 Klangwelt der Maschinen
-5 Instrumentenbau ist stets Kulturarbeit
-6 Die besseren Maschinen
-7 Eigenständige Klangsphäre
-8 Zwischen den harmonischen Tönen
-9 Rauschen
-10 Anarchischer Klangraum
-11 Globale Village
-12 Geräusch-Gestalten
-13 Klangorganisation

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