Christof
Schläger ist ein Vertreter der grenzüberschreitenden
Klanginstallationen. Electric Motion heißt das internationale
Projekt des in Amsterdam und Herne lebenden Künstlers.
Die Assoziation an Emotion ist gewollter Zielpunkt des Projekts,
das auf die Freisetzung von Emotionen beim Zuhörer
und Zuschauer gerichtet ist. Der Grenzgänger Christof
Schläger benutzt dazu alle ihm zur Verfügung stehenden
Elemente der Akustik, Mechanik, Elektrik, Elektronik und
Pneumatik, wobei ihm nicht nur ein der Pflicht gehorchend
absolviertes Ingenieursstudium hilft, sondern vor allem
der eigene Trieb zur Experimentierlust. Ergänzend hinzu
kommen handwerkliche Fähigkeiten und geradezu geniale
Problemlösungen, ein äußerst verfeinertes
Gehör und ein neugieriges Ohr sowie ein offensichtlich
nie verloren gegangener Spieltrieb. Als Quelle seiner Arbeit
nennt der Künstler die ihn zeitlebens umgebenden Geräuschregionen
seines Geburtsortes im Industriegebiet Oberschlesien und
später dann des Ruhrgebietes. Das Gehör ist, wie
wir wissen, noch vor dem Sehen in Aktion, vor seiner Geburt
nimmt der Mensch bereits Töne wahr, weshalb Geräusche
auch besonders geeignet sind, ähnlich wie Gerüche,
Erinnerungen und Emotionen hervorzurufen.
Für Christof Schläger ist Geräusch das Material,
das er gestaltet, das er sortiert, produziert, formt und
versammelt und mit Hilfe seines surreal anmutenden Klang-Personals
in den Raum und an die Trommelfelle schickt. Schläger
legt vor allem auch großen Wert darauf, dass die von
seinen Objekten produzierten Töne wohl computergesteuert
sind, aber mechanisch entstehen. Er will mit ihnen die physikalische
Existenz des Klanges gestalten, das Zusammenspiel der verschiedenen
im Raum verteilten Objekte, das auf die spezielle Situation
abgestimmt wird, lässt dann jeweils andersartige Klangräume
entstehen. Die originellen, vom Künstler entworfenen
und aus unzähligen mechanisch-elektrischen Einzelelementen
zusammengesetzten Objekte oder Instrumente, die er Geräusch-
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Gestalten
nennt und damit auch ihre Individualität, ja Personifizierung
zum Ausdruck bringt, werden von Strom angetrieben und von
einem dafür ausgelegten und programmierten Computernetzwerk
inszeniert. Sie sind nicht nur mit Hilfe einer an das Netzwerk
angeschlossenen Tastatur einzeln bespielbar, sondern erlauben
dem Künstler den aktiven und interaktiven Zugriff auf
alle Instrumente gleichzeitig. Auf diese Weise entsteht ein
Geräusch-Gestalten-Orchester, in dem durch die Eingriffe
des Künstlers nicht nur ein Konzert entsteht, sondern
auch die eigenen Kompositionen interpretiert, dirigiert und
variiert werden können.
Bei der konzertanten Aufführung werden die einzelnen
Objekte, deren Erscheinung auch rein optisch-ästhetisch
ein reines Vergnügen ist, nacheinander zum Tönen
gebracht, bis sie sich zu einem umfassenden Klangdschungel
vereinen. Dazwischen liegen Zirpen, Schnalzen, Flattern, Sausen,
Knistern, Knacken und Rauschen, die einzelnen Töner setzen
sich punktuell in Bewegung und beginnen ihr je eigenes Geräusch,
die Töne hüpfen durch den Raum wie Kiesel auf dem
Wasser, durchlaufen ihn in Wellen und verbreiten sich in alle
Richtungen. Knackdosen knacken, Schellenbäume scheppern,
Whupi, der Raumgreifer, setzt seine Membranen in Schwingung
und die wuchtige Federine beginnt zu dröhnen. Allein
die Lautmalerei der Namensgebung lässt die Ohren spitzen.
Klapperrappel, Memdrum und Wrummer, Quäker, Knister und
Zirr bespielen die Skala der Gefühle von der Gänsehaut
bis zum Bauchgrimmen. Technisch liest sich das so: Magnete
für Spinnereimaschinen schlagen auf Stangen und Drähte,
Garagentorfedern dröhnen, Plattenspielermotoren drehen
sausende Plastiktüten. Die Zuhörer und Zuschauer
bewegen die Köpfe von rechts nach links, nach oben und
unten und drehten sie am liebsten um 360 Grad, um dem Lauf
der Töne zu folgen. Electric Motion trifft solar plexus. |
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