Für
des Projekt Schwingungen, ist die industrielle Landschaft
des Reviers selbst zur Bühne geworden. Das urbane Hornkonzert
ist hier die Keimzelle einer musikalischen Inszenierung
geworden. Großgeräte wie Betonpumpen, Greifbagger, Kohleterminals,
Lok mit Flachwagen und eine Schiffsbramme wurden zu dramaturgischen
Akteuren. Die Choreografie verwandelte diese Maschinen in
futuristische Schauspieler, die von einer pyrotechnischen
Dramaturgie illuminiert wurden. Es entfaltete sich ein quadratkilometer
großes Gesamtkunstwerk in industrieller Landschaft.
Choreografie
von Marjon Smit und Seta Guetsoyan
Video
WDR-2010 TV
(Quelle: WDR)
Stefan
Albus schrieb über seine Eindrücke:
Ein
Hauch von Magie
"Da ist
eine Vision wahr geworden", sagt Christof Schläger. Und
was also bedeutet "da"? Zunächst einmal steht das Wort für
ein Datum und einen Ort: 1. Oktober 2010. Rhein-Herne-Kanal,
Schleuse Wanne-Ost. "Da" ist aber noch viel mehr: Eine poetische
Choreografie, aufgeführt von sieben Betonpumpen, die unter
der Regie von Marjon Smit und Seta Guetsoyan ihre langen
Hälse - oder Fühler? - in die Abendluft recken. Zwei Bagger,
die sich bei einer Art Aluminiumblech-Dinner Geschichten
zu erzählen scheinen. "Da" bedeutete: Die Luft anzuhalten,
als bengalische Fackeln an den Pumpenauslegern den Kanal
in rotes Licht tauchen.
"Da": Unbekannte, seltsame Klänge, die über dem Wasser schweben wie Libellen; hypnotische Rhythmen aus
Schlägers Klangmaschinen, die sich zu immer neuen Mustern zusammenschieben. "Da": Staunen darüber,
wie elegant profane Maschinen wirken, wenn sie von ihren technischen Fesseln befreit und mit neuen
Augen gesehen werden. He, sind das wirklich Pumpen? Oder riesige Heuschrecken? Schwäne? Kinder, die
einander etwas zeigen möchten? Ob diese Maschinen auch träumen können? Und "da" bedeutet: Eine neue
Raumerfahrung durch das akustische Wechselspiel der Klanginseln, die das Hafengebiet in einen
Quadratkilometer-großen Konzertsaal verwandelten. Das Schweigen, nachdem der letzte Ton verklungen ist -
und klar wird, dass sich so etwas nicht wiederholen lässt. Und wir waren dabei! Und ja: Applaus!
Und mit Signalfackeln winkende, begeisterte Betonpumpen-Piloten am anderen Kanalufer. Dann: Wehmut,
als ein Scheinwerfer nach dem anderen abgeschaltet wird.
Inzwischen sind die Urheber all' dieser geheimnisvollen Klänge, die Branen, Rauscher und M-Pipes, die der
Künstler auf drei Klanginseln verteilt hatte, wieder wohlbehalten in seinem Herner Atelier angekommen.
Die Magie, die sie erzeugt haben, bleibt aber - selbst Wochen nach dem Konzert. "Eine der vielen Sachen,
die man im Rahmen von Ruhr 2010 gesehen haben muss", "Bild- und klanggewaltiger Schlusspunkt zum Projekt
KulturKanal2010", "Tolle Kulisse und ungewöhnliches Konzert" schreiben und senden die Medien. Auch
Christof Schläger ist zufrieden: "Eine Vision ist eine magische Fackel, die man immer vor sich sieht,
aber selten im Leben erreicht. Hier ist das dennoch einmal wahr geworden. Ich hoffe, dass sich viele
Leute haben anstecken lassen!"
"Viele Leute" ist ein weiteres Stichwort: Denn um die Vision realisieren zu können, waren am 1. Oktober -
und am Tag davor - weit über 100 Menschen auf den Beinen. Vom Brezelverkäufer über die Parkplatz-Einweiser
bis zu den engagierten Pumpen-Piloten und den Fahrern, die die auf einen Bahnwaggon montierte Klanginsel
durch Crange bewegt haben; um die Pyrotechnik kümmerte sich ein sechs Mann starkes Team, mit der
Ausleuchtung der Pumpen waren sogar 20 Mann beschäftigt. "Ich habe 48 Stunden kaum geschlafen,
aber ich finde es toll, hier dabei sein zu können", sagt ein Mitarbeiter aus dem Team. Schläger:
"Die Stadt Herne hat sich hier richtig ins Zeug gelegt."
Und jetzt? Pläne? "Ich habe einige Ideen", sagt der
Künstler. "Visionen sind Fackeln, die nie ausgehen.
Sie leuchten nur heller und ändern ihre Farbe, wenn
man ihnen einmal näher gekommen ist." Zu tun ist noch
einiges: Bis etwa 2007 waren Schlägers Klang-Maschinen
nur in Innenräumen zu hören. Und das Ruhrgebiet ist
voller magischer Plätze, deren Zauber noch zu entdecken
ist.
Video
WAZ-2010 TV Medien
(Quelle: WAZ-Medien)
Pressestimmen "Ein
ungewönliches Konzert - Das ist eine der vielen
Sachen, die man im Rahmen von Ruhr 2010 gesehen haben
muss"
- WAZ, 2-10-2010
"bizarre Instrumente, eine interessante
Kulisse. Christof Schläger und seine Frau Marjon Smit versetzen nicht nur den Kanal in Schwingungen"
-Der Westen, 2-10-2010